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Bericht Flashovercontainer Lohr 2004 PDF Drucken E-Mail
Ausbildung

Eine nicht alltägliche Gelegenheit den Flash-Over-Container des Landesfeuerwehrverband Bayern zu begehen hatten in der Woche vom 15. bis 20. Februar 2004 96 Atemschutzgeräteträger aus 25 Feuerwehren des Landkreises Main-Spessart nutzen können. Nur drei solcher holzbefeuerten Übungscontainer gibt es bundesweit um Rauchgasdurchzündungen (Flash Over) zu „erleben“. Durchdem dass jeder Trainer maximal vier Durchgänge pro Woche, zwei am Tag machen darf sind die Durchgangskapazitäten begrenzt.

Nach einem ca. 90 minütigen Unterricht über die Entstehung und Bekämpfung von Flashovern mit Sicherheitsunterweisung in der Feuerwache Lohr geht es zum praktischen Teil in den Flashover-Container, der in der Kläranlage Lohr aufgestellt ist.

Mit den Trainern Peter Scheuthle, hauptberuflich angestellter beim Landesfeuerwehrverband und verantwortlicher für den Container und den Ausbildern Kreisbrandmeister Stephan Brust (Kreisbrandinspektion) und Steffen Goßmann (Feuerwehr Lohr) erleben und fühlen die acht Personen starke Gruppe im Container Rauchgasdurchzündungen.

Im eigentlich leeren Container wird im Frontbereich ein Feuer mit Holzpaletten entfacht. An den Wänden sind einzelne Spanplatten als Ersatz für Möbel aufgestellt. Zusammen mit jeweils acht Feuerwehrkräften begibt sich der Trainer in den Container.

Der Brandübungscontainer beim Auskühlen.

Die Teilnehmer haben nun die Möglichkeit die Brandausweitung in Ruhe und unter Erklärung zu beobachten. Deutlich ist nach wenigen Minuten die Temperaturerhöhung spürbar und das Ausgasen der Spanplatten zu erkennen. Die Rauchschicht bildet sich und streicht über die Köpfe der Atemschutzgeräteträger hinweg. Nach weiterem Temperaturanstieg züngeln bereits einzelne Flammen im Rauch.

Es entsteht der Eindruck, als ob die Luft brennen würde. Kurz darauf zündet die gesamte Rauchschicht durch, die Flamme rollt über die Übungsteilnehmer hinweg und schlägt durch die offene Tür im Heck des Containers ins Freie. Im nächsten Ausbildungsabschnitt wird die Containertür geschlossen. Dem Feuer wird die Sauerstoffzufuhr abgeschnitten, die Verrauchung wird so stark, dass die Teilnehmer im Container sich nicht mehr sehen können, obwohl sie direkt hintereinander auf dem Boden kauern. Die Temperatur steigt im Deckenbereich auf weit über 800 Grad Celsius an, bevor die Tür wieder geöffnet wird. Das Feuer flammt wieder auf, auch die Spanplatten brennen jetzt. Es beginnt der letzte Ausbildungsabschnitt, das gezielte Löschen. Jeder zuviel aufgebrachte Wassertropfen schlägt als Wasserdampf auf die Übenden zurück und durchnässt die Schutzkleidung. Nasse Stellen der Schutzkleidung sind Wärmebrücken und verursachen auf der Haut Verbrühungen. Oberstes Gebot im Innenangriff ist daher Trockenbleiben der Schutzkleidung. Die Ausbildungsteilnehmer wechseln auf Anordnung des Trainers ihre Position im Container, damit jeder einmal das Strahlrohr bedienen kann und Deckung vor der Hitzestrahlung hinter seinem Vordermann suchen kann.

„Hier ist tiefste Gangart gefragt“, erklären das Ausbilder-Team bei der Sicherheitsunterweisung der Teilnehmer. Mit kurzen Wasserstößen in den Rauch wird durch Kühlung die Durchzündungsgefahr des Flashovers gebannt, dafür nimmt die Verbrühungsgefahr durch die Bildung von Wasserdampf zu. Ziel der Ausbildung ist es, die Atemschutzgeräteträger so zu sensibilisieren, dass diese eine Flashover-Gefahr erkennen und deren Durchzündung verhindern.

Seit 2002 verfügt der Landesfeuerwehrverband Bayern e. V. über einen eigenen Container. Dieser wurde bei der Fa. Dräger gekauft, als Sattelschlepper ausgeführt und von der Versicherungskammer Bayern mitsamt dem Zugfahrzeug an den Verband übergeben. Stationiert ist die Einheit bei der Feuerwehr Kempten.

Wegen der ständigen Rauchentwicklung wurde er in der Kläranlage in Sendelbach aufgestellt. Im Feuerwehrhaus Lohr unterrichteten Kreisbrandmeister Joachim Mantel, Kreisbrandmeister Stephan Brust, Kreisbrandinspektor Manfred Brust (alle Kreisbrandinspektion) und Löschmeister Steffen Goßmann (Feuerwehr Lohr) zum Thema Brandeinsatz und Flashoverbekämpfung.
Nach ca. 30 Minuten ist die Ausbildung im Container abgeschlossen. Während der Nachbesprechung müssen die Teilnehmer mindestens eine Flasche Mineralwasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Vor dem Einstieg in den Container wurde der richtige Sitz der Schutzkleidung inklusive Flammschutzhaube überprüft. Allen Übenden war danach klar, welche Schutzwirkung die Kleidung bringt, wenn sie sich in ordentlichem Zustand befindet und richtig und vollständig getragen wird.

Da sich die Körperkerntemperatur um fast ein Grad im Container erhöht, darf jeder Ausbilder nur zwei Durchgänge am Tag und maximal vier Durchgänge je Woche leiten. Mit den drei Ausbildern konnten daher zwölf Durchgänge a acht Teilnehmer mit einer Ausbildungsdauer von je fünf Stunden gefahren werden. Die recht hohe Anzahl von Durchgängen konnte dadurch erreicht werden, dass die Kameraden Stephan Brust und Steffen Goßmann die Trainerlizenz für den Übungscontainer erlangten. Die Kosten für die Ausbildung der beiden wurden vom Landratsamt und vom Kreisfeuerwehrverband Main-Spessart übernommen.

Weitere Helfer zur Betreuung der Teilnehmer, zur Bestückung des Containers und der Transportfahrten vom Feuerwehrhaus zur Kläranlage und zurück stellten die Feuerwehren Karlstadt, Lohr und Rodenbach. Ein Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Lohr und ein Rettungswagen der BRK-Bereitschaft waren ständig anwesend. In den Abendstunden leuchtete die Feuerwehr Wombach mit dem Lichtmastfahrzeug das Übungsgelände aus. Alle Helfer waren ehrenamtlich tätig, nahmen Urlaub oder leisteten die Arbeit in ihren Freischichten.

Teilnehmer kamen von den Feuerwehren Aschfeld, Gambach, Gemünden, Gräfendorf, Erlenbach, Fellen, Hafenlohr, Homburg, Karlburg, Karlstadt, Krommenthal, Laudenbach, Kreuzwertheim, Lohr, Marktheidenfeld, Müdesheim, Retzbach, Rieneck, Rodenbach, Ruppertshütten, Thüngen, Wernfeld, Wiesenfeld, Wiesthal, Zellingen.