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Einsatzbericht_Eisenhammer_180702 PDF Drucken E-Mail
Einsätze

Montag, 02.07.2018, 19:00. Auf dem Ausbildungsplan der Freiwilligen Feuerwehr Kreuzwertheim steht das Thema „Anbauteile Drehleiter“. Wie passend das gewählte Thema war, sollte sich nur 8 Minuten später erweisen. Denn just als die Drehleiter für den praktischen Übungsteil aufgestellt war, alarmierte die Leitstelle Würzburg die Feuerwehren Hasloch und Kreuzwertheim, nebst den Führungskräften der Kreisbrandinspektion und der Unterstützungsgruppe Örtlicher Einsatzleiter (UGöEL) mitsamt ELW-2, der in Karlstadt stationiert ist, zu einem Brand im Industriebetrieb Kurtz in Hasloch-Eisenhammer.

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Die anwesenden Übungsteilnehmer und die ersten eintreffenden Kameraden von zu Hause konnten entsprechend schnell zuerst Einsatzleitwagen und Drehleiter, danach schnell folgend Tanklöschfahrzeug und Löschgruppenfahrzeug besetzen und zur Einsatzstelle ausrücken.
Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwieriger, denn vor Hasloch war eine Baustelle eingerichtet, so dass an der Brücke über den Haselbach eine Ampelregelung eingerichtet war und die verbleibende Fahrbahn eine eingeschränkte Breite hatte.
Ebenfalls während der Fahrt kam bereits eine erste Rückmeldung über die Leitstelle, dass sich im Brandbereich Fässer mit Gefahrstoff befinden würden, das sich dann als hochprozentiges Ethanol herausstellte.
Im Haselbachtal an sich konnte man schon kurz vor dem Eisenhammer eine größere Rauchentwicklung feststellen.

Vor Ort an der Einsatzstelle ergab sich folgende Lage:
in einer ca. 100m² großen Industriehalle mit geöffnetem Tor brannten so genannte Speiser, die dort für die Eisengießerei in der angebauten Nachbarhalle gelagert werden. Die Speiser enthalten einen Anteil an Magnesium, das mit Wasser heftig reagieren kann. Dies musste bei der Entscheidung über die ersten Maßnahmen berücksichtigt werden. Ebenso befanden sich die 2 Ethanolfässer im Brandbereich, waren aber selbst noch nicht in Brand geraten. Der Brandrauch war bereits in die angrenzenden Hallen gezogen, die Personen waren aber alle aus dem Gefahrenbereich gegangen.

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Nach Absprache zwischen den Kommandanten aus Hasloch und Kreuzwertheim wurden folgenden Erstmaßnahmen ergriffen:
Das erste Löschgruppenfahrzeug von Hasloch baute einen Außenangriff unter Atemschutz und Wasserversorgung aus einem Oberflurhydranten auf. Das Kreuzwertheimer Tanklöschfahrzeug baute ebenfalls einen Außenangriff mit einem zweiten C-Rohr unter Atemschutz auf. Die Wasserversorgung erfolgte zunächst aus dem Fahrzeugtank. Beide Atemschutztrupps hatten als Aufgabe, vor allem die beiden Fässer zu kühlen.
Die Drehleiter aus Kreuzwertheim sollte das Dach der betroffenen Halle von oben mit dem Wenderohr kühlen, um die Temperatur der Rauchschicht herunterzukühlen und so einer möglichen Rauchgasdurchzündung entgegenzuwirken. Dazu baute die Mannschaft des Kreuzwertheimer Löschgruppenfahrzeuges die Wasserversorgung vom Mühlbach auf, die Wasserentnahme erfolgte durch das zweite Haslocher Löschgruppenfahrzeug. Die Einsatzleitung wurde zu diesem Zeitpunkt im Kreuzwertheimer ELW-1 eingerichtet.

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Nachdem diese ersten Maßnahmen eingeleitet und aufgebaut waren, waren mittlerweile die Mitglieder der Kreisbrandinspektion eingetroffen, der ELW-2 des Landkreises, sowie Fachberater des THW und die Kräfte des Rettungsdienstes für die Absicherung der eingesetzten Kräfte.
Nach einer ersten Lagebesprechung wurde folgende weiteren Maßnahmen beschlossen: Kreisbrandrat Peter Schmidt übernahm die Einsatzleitung, die Dokumentation und Koordination wurde in den ELW-2 übertragen, der ELW-1 war für die zentrale Atemschutzüberwachung zuständig. Die Löschmaßnahmen wurden durch den Einsatz von Sand zur Abdeckung ergänzt, den ein Radlader, der auf dem Betriebsgelände zur Verfügung stand, verteilt. Zudem konnte durch die mittlerweile eingetroffenen Geschäftsführer der Kurtz Gruppe bestätigt werden, dass man auch Wasser für die Löschmaßnahmen einsetzen konnte, da der Magnesiumanteil der Speiser gering war und so kaum eine Gefahr durch die Reaktion mit Wasser zu befürchten war.
Vom Kreuzwertheimer Löschgruppenfahrzeug wurde als Vorsichtsmaßnahme ein Schaumangriff aufgebaut und einsatzbereit gemacht.

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Nachdem der Einsatz des Sandes kombiniert mit dem Außenangriff erste Wirkungen zeigte, konnten die Ethanolfässer geborgen und außerhalb des Brandraumes weiter gekühlt werden. Der Radlader konnte den Sand allerdings nur grob auf die brennenden Speiser verteilen. Es wurde daher zusätzlich der Einsatz von Atemschutzträgern notwendig, die den Sand mit Schaufeln besser auf noch nicht abgedeckte Bereiche verteilen konnte. Dazu wurden diese mit Hitzeschutzkleidung ausgerüstet.
Dadurch wurde auch klar, dass ein Bedarf an weiteren Atemschutzgeräteträgern notwendig war. Deshalb wurden die Feuerwehren Esselbach, Oberndorf und Trennfeld nachalarmiert, sowie SEG Verpflegung des BRK Kreuzwertheim zur Versorgung der Einsatzkräfte. Ebenfalls übernahm die Feuerwehr Esselbach noch die Verkehrsregelung im Bereich der Staatsstrasse, da dort zahlreiche Fahrzeuge abgestellt waren und so nur eine Fahrbahn zur Verfügung stand.

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Im weiteren Einsatzverlauf zeigten die eingeleiteten Maßnahmen Wirkung: die Deckentemperatur konnte von teils über 850°C auf fast Normaltemperatur reduziert werden, die Speiser waren komplett mit Sand bedeckt und keine offenen Flammen mehr sichtbar. Die Sicherheitsdatenblätter der Speiser gaben als Löschmaßnahmen an, diese abzudecken und mindestens 12 Stunden ruhen zu lassen. Da dies soweit erledigt war, konnten die ersten Rückbaumaßnahmen beginnen. Nach der letzten gemeinsamen Lagebesprechung am ELW-2 konnten sich die eingesetzten Kräfte noch stärken und anschließend an ihren Standort zurückkehren. Lediglich die Feuerwehr Hasloch blieb auf Bereitschaft in deren Feuerwehrhaus, um in definierten Abständen die Einsatzstelle zu kontrollieren.

Die Feuerwehr Kreuzwertheim rückte daraufhin gegen 22 Uhr von der Einsatzstelle ab. Zurück im Feuerwehrhaus mussten dann noch die eingesetzten Gerätschaften wieder gesäubert und einsatzbereit gemacht werden, die verwendeten Schläuche gewaschen und aufgehängt werden, sowie die Einsatzkleidung getauscht und zur Wäsche gebracht werden. Damit war dann gegen 23:30 Uhr Einsatzende und auch das Übungsziel erreicht: die Anbauteile wurden unter Einsatzbedingungen angebracht.